
Wanderruderfahrt vom 4. – 6. Juni 2026
Donnerstag 4. Juni: Mit dem Velo im Alstertal unterwegs
Der erste Tag in Hamburg beginnt mit viel Sonnenschein und einer grossen Aufregung: Die Hälfte unseres Frauenteams ist zuvor bereits angereist und hat mitbekommen, dass das Hotel zu einem Drittel überbucht ist. Andrea wurde am Vortag in ein anderes Hotel ausquartiert und es kann uns niemand sagen, ob die mit dem Nachtzug am Donnerstagmorgen Ankommenden überhaupt ein Hotelzimmer bekommen. Als Entschädigung werden sie nach ihrer Ankunft am frühen Morgen zu einem reichhaltigen Frühstück eingeladen.
Punkt 9.45 Uhr fährt Stefan von «Hamburg anders erfahren» mit seinem Anhänger, darauf 12 Stadträder, vor. Die einzelnen Velos werden noch etwas angepasst, Helme auf und dann geht’s los: quer rüber zum Stadtpark und von da auf direktem Weg Richtung Norden zur Alster. Mit dabei ist Heike vom Alster Ruderverein Hanseat, die uns auch an den beiden Rudertagen begleiten wird.
Viele kennen den Begriff „Alster“ nur als See, der einen grossen Teil der Innenstadt Hamburgs bildet. Er wurde als Stausee vor vielen hundert Jahren „aus Versehen“ künstlich angelegt. Wir folgen dem Alsterlauf Richtung Quelle, tauchen ein ins Grün der Waldwege des Alstertals, kleine Teiche rechts und links, überzogen mit grünen Blättern, umgeknickte Bäume, einmal rechts und dann wieder links der Alster – dank Komoot finden wir den Weg meistens auf Anhieb. Es ist wohltuend, auf diesem Weg durchs Grüne, abseits vom Trubel und Autolärm, in einer Grossstadt wie Hamburg anzukommen.
Der Weg führt uns an zwei Schleusen vorbei bis zur alten Schleuse Mellingburg. Dort machen wir eine kleine Imbisspause, radeln danach an der Alster zurück. Beim Gut Wellingsdorf verlassen wir die Alster und fahren durchs Wohngebiet Richtung Süden bis zum Ohlsdorfer Friedhof. Er ist einer der grössten Parkfriedhöfe der Welt. Wir fahren durch eine Landschaft mit einigen hundert Laub- und Nadelgehölzarten, Teichen und Wasserläufen, die sich durch eine Mischung aus historischen Bauten, Gartendenkmälern und modernen Themengrabstätten auszeichnet. Ab da fahren wir auf dem Grünen Ring durchs Wohngebiet zurück nach Barmbek.
Am frühen Nachmittag im Hotel angekommen, sind wir alle gespannt, ob die gebuchten Zimmer nun verfügbar sind. Es hat geklappt. Und es bleibt genug Zeit zum Besuch des mehrstöckigen Globetrotters gleich nebenan und zur individuellen Erkundung der Stadt, bis wir uns um 19.30 in der T.R.U.D.E. zum Abendessen einfinden – seit Jahren die Stammbeiz der Hamburg begeisterten SeeclüblerInnen. Das Restaurant in einer der alten Fabrikhallen hat seinen Namen von der Schildvortriebsmaschine TRUDE, ein Akronym für tief runter unter die Elbe. Diese war Ende des letzten Jahrhunderts mit einem Aussendurchmesser von 14,20 Metern die grösste Tunnelbohrmaschine der Welt. Für die Erweiterung des neuen Elbtunnels in Hamburg wurde eine 2560 Meter lange vierte Röhre unter dem Flussbett der Elbe hindurch gebohrt.










Freitag 5. Juni: Auf geht’s zur Südtour
Heute heisst unser Programm Rudern, worauf wir uns sehr freuen. Gestärkt nach einem feinen Frühstück begeben wir uns zu Fuss zum Alster Ruderverein Hanseat. Aber vorgängig ist jede von uns beschäftigt mit der Frage: Was für Kleider und Taschen sollen mit zum Ruderclub und welche aufs Boot – wir merken, dass uns die örtlichen Wetter- und Temperaturbedingungen fremd sind. Den starken Regen erlebten wir ja schon am Vortag… – und so ist das Resultat auch sehr unterschiedlich: Es reicht von kleinen zu grossen wasserfesten Beuteln bis zur Longchamp-Tasche, die uns sowohl ins Boot wie auch am Abend in die Elbphilharmonie begleitet … .
Sehr warmherzig werden wir von Andrea, Birgit, Wolfgang, Carola und Heike empfangen und es dauert nur kurz, bis wir das Gefühl haben, einander schon lange zu kennen. Schnell lernen wir die wichtigsten Ruderkommandos: Ruder lang, Stopp, Körper lang und «frei weg». Birgit, Carola und Heike sind sehr versierte Steuerfrauen, die uns gekonnt und mit Ruhe unter schmalen Brücken, an Kursschiffen, Kanufahrer, Stand-Up-Padlerinnen und Pedalos vorbeimanövrieren – sind wir froh, nicht steuern zu müssen! Obwohl wir uns den ganzen Tag mitten in Hamburg befinden, lernen wir auch an diesem Tag Hamburg von der idyllischen, grünen Seite kennen: Die Ufer sind grösstenteils begrünt mit Bäumen, Büschen und Stauden, dazwischen Häuser, teils mit vorgelagerten Gärten und immer wieder Restaurants/Bars, wo angelegt werden könnte. Wir sehen unzählige Enten, Gänse und Vögel mit ihren Jungtieren. Da keine Motorboote erlaubt sind, hört man neben den Naturgeräuschen nur andere Menschen. Es ist so faszinierend, dass wir fast vergessen, dass wir rudern – und plötzlich sind wir in der Aussenalster und wenig später in der Binnenalster quasi direkt vor dem Rathaus! Am Mittag überraschen uns an einem kleinen Steg in einem kleinen Park Andrea und Wolfgang mit einem Apéro riche – inklusive Prosecco in Gläsern. Gekonnt legen unsere Steuerfrauen am kleinen Steg unter ins Wasser hängenden Bäumen an – das Aussteigen ist dann eine andere Herausforderung für uns, die zwar nicht elegant, aber zügig erfolgt. Da eine Regenfront sich nähert, heisst es bald schon wieder zusammenpacken. Doch dieser Regen dauert nur kurz, und wir kommen am Nachmittag wieder trocken im Ruderclub an. Nach einem gemeinsamen Essen – wobei wir nach diesem grossen Apéro nicht wirklich hungrig sind, verlassen wir unsere lieben GastgeberInnen. Es bleibt nicht viel Zeit zum Umziehen, denn wir haben noch Tickets für ein Benefiz-Konzert in der Elb-Philharmonie. Von diesem Gebäude inklusive des Konzertsaals und seiner Akkustik sind wir fasziniert – weniger von dem Benefiz-Konzert: Anstatt, dass wir einfach nur die Musik geniessen und den tollen Tag verarbeiten können, wird mindestens so viel vom Moderator kommentiert wie wir Musik hören. Aber am Ende lohnt es sich einfach, ein Konzert in diesem aussergewöhnlichen Konzertsaal und in diesem Gebäude erlebt zu haben – danke Li, dass du dafür auch noch Tickets im Voraus besorgt hast!
Nicht nur das Erlebte an diesem Tag ist einmalig, sondern auch die Stimmung in unserer Gruppe. So sinken wir dankbar und glücklich zur späten Stunde in unsere Betten.










6. Juni: Nordtour
Nach einer unkomplizierten Einteilung auf die drei Boote starten wir in unseren zweiten Ruder-Tag. Diesmal auf den nördlichen Kanälen der Alster. Die Strecke bietet eine beeindruckende Vielfalt: Mal gleiten wir durch schmale, grüne Wasserwege, auf denen man sich beinahe wie in einem mittelamerikanischen Dschungel fühlt, mal öffnen sich idyllische Teiche, gesäumt von prachtvollen Anwesen und gepflegten Gärten.
Für zusätzliche Unterhaltung sorgt der Slalomkurs zwischen zahlreichen Paddlern und Tretbooten. Die Stimmung auf dem Wasser ist durchweg entspannt und fröhlich – überall begegnet man freundlichen Menschen und guter Laune.
Zur Mittagszeit legen wir eine Pause in einem Beachclub ein, der seinem Namen alle Ehre machte: Sand unter den Füssen, gemütliche Lounge-Sofas und echtes Urlaubsgefühl mitten in Hamburg.
Am Nachmittag setzen die Boote ihre Fahrt in unterschiedlichen Varianten fort. Während einige den direkten Weg wählen, entscheidet sich eine zweite Gruppe für die mittlere Distanz und eine dritte rudert sich in rasantem Tempo über die längste Schlaufe mit Extra-Slalom-Effekt.
Zum Abschluss werden wir vom Hamburger Ruderteam herzlich verabschiedet. Bei einem gemeinsamen Umtrunk wird viel gelacht, herzlich umarmt und auf die schönen Erlebnisse der vergangenen Tage zurückgeblickt. In einem Punkt sind sich alle einig: Diese Wanderfahrt würden wir am liebsten grad nochmals machen.
Der Tag klingt mit einem gemeinsamen Abendessen am Hafen und einem anschliessenden Bummel durch die schön beleuchtete historische Speicherstadt aus. Ein gelungener Abschluss einer wunderschönen Reise.











Anne-Cathrine Girard, Li Hangartner, Sibylle Hug
